Sparsame Motoren − „Chance für Ostbayern“

Beitrag aus der Passauer Neuen Presse vom 8.11.2011

Passau. Der Verbrennungsmotor werde auf Jahre hinaus bei den Autoantrieben weiterhin die erste Geige spielen, nur müsse und werde er noch sparsamer, sauberer und komplexer werden. Davon zeigten sich die Experten jetzt in Passau auf dem 9. Symposium „Trends in der Motorentechnologie“ überzeugt. Megatrend bleibe Benzinsparen.

Professor Josef Nassauer, der in Pfarrkirchen geborene Geschäftsführer der veranstaltenden Gesellschaft Bayern Innovativ, sagte, das sei gerade auch für Firmen in Ostbayern eine Chance. Hier gebe es besonders viele Zulieferer mit hohem Entwicklungs-Know-How. Darauf seien Autohersteller angewiesen, um der zu erwartenden weiteren Verschärfung der Abgasvorschriften gerecht werden zu können.

Bayern-Innovativ-Chef Prof. Josef Nassauer (l.) im Gespräch mit dem BMW-Motorenspezialisten Prof. Christian Schwarz.

Bayern-Innovativ-Chef Prof. Josef Nassauer (l.) im Gespräch mit dem BMW-Motorenspezialisten Prof. Christian Schwarz.

Eine dieser Firmen ist das Ortenburger Messtechnik-Unternehmen Micro Epsilon, das mit insgesamt rund 500 Mitarbeitern (davon über 200 am Stammsitz Dorfbach) zuletzt einen Umsatz von rund 47 Millionen Euro schrieb. Beim Symposium in Passau war es u.a. mit einem System zur Messung der Drehzahl von Turboladern vertreten. „Die Autobauer setzen immer mehr Turbolader ein, um kleinere und damit auch verbrauchsärmere Motoren leistungsstark zu halten. Das steigert auch die Nachfrage nach Prüf- und Messtechnik, von der wir profitieren“, teilte Klaus Brinninger mit. Sein Kollege Thomas Kitzlinger ergänzte, der Automotivsektor sei für Micro Epsilon ein absoluter Wachstumsmarkt (die Firma ist zudem u.a. in den Bereichen Medizin- und Luftfahrttechnik, Maschinenbau und Halbleiterindustrie „unterwegs“).

Werner Riederer vertrat die Straubinger Firma Sonplas

Werner Riederer vertrat die Straubinger Firma Sonplas

Wie stark der Druck, noch sparsamere Motoren zu entwickeln, ist, das zeigt das Beispiel der BMW AG, die ihren famosen 6-Zylinder-Reihenmotor nur noch in der 300-PS-Region und darüber überleben lässt. Prof. Christian Schwarz, ein bei BMW maßgeblicher Motoren-Entwickler, verweist auf das Ziel von BMW, in der Kombination Bezinsparen bei gleichzeitigem Erhalt der Fahrfreude führend zu sein. „Deshalb ersetzen wir unsere 6-Zylinder in weiten Bereichen erst jetzt, nachdem wir Vier-Zylinder-Motoren anbieten können, die den 6-Zylindern zumindest ebenbürtig sind“, so Prof. Schwarz. „Wir haben hier schon ein sehr hohes Niveau erreicht, ich sehe aber für die nächsten zehn Jahre dennoch noch ein weiteres Einsparpotenzial von bis zu 15 Prozent.“ Dabei, so der BMW-„Mann“, seien die Motoren in den vergangenen 15 Jahren bereits um rund 30 Prozent sparsamer geworden.

Für die Ortenburger Messtechnik-Firma Micro Epsilon stellten die Vertriebsexperten Thomas Kitzlinger (l.) und Klaus Brinninger ein Drehzahl-Messsystem für Turbolader vor.  − Fotos: Schießl

Für die Ortenburger Messtechnik-Firma Micro Epsilon stellten die Vertriebsexperten Thomas Kitzlinger (l.) und Klaus Brinninger ein Drehzahl-Messsystem für Turbolader vor.  − Fotos: Schießl

Dass die Autobauer ihre Motoren noch effizienter machen wollen, darauf setzt auch das Straubinger Unternehmen Sonplas (170 Mitarbeiter, 22 Mio. Euro Umsatz). Es stellt Montage-, Einstell- und Prüfanlagen für Einspritzsysteme her. „Neue Technologien verlangen neue oder zusätzliche Prüfsysteme. Für uns ist das ein Wachstumsfeld“, sagte Werner Riederer von Sonplas. Die Firma nutze das Symposium in Passau zur Kontaktpflege und zum Ausbau des Netzwerkes.

Eine zusätzliche Chance durch den Trend zum weiteren CO2-Einsparen bei Motoren sieht auch die Münchner Firma Iwis (200 Mio. Umsatz, 1000 Mitarbeiter). „Wir stellen unter anderem Nockenwellen-Steuerketten her − und hier haben wir den Ehrgeiz, diese immer reibungsärmer zu machen, weil dies Sprit spart. Wir sind hier ganz vorne mit dabei“, sagte Entwicklungschef Holger Bodenstein.

Gleich „eine Weltneuheit“ präsentierte Erich Eder, Prokurist bei der Ruhstorfer Firma Hatz (850 Mitarbeiter, 180 Mio. Euro Umsatz). Er stellte in einem Vortrag die Entwicklung von elektronischen Einspritzanlagen für Dieselmotoren vor, die letztendlich zu geringeren Emissionen führen sollen. Die Neuentwicklung sei im Teststadium.

IHK-Hauptgeschäftsführer Walter Keilbart begrüßte, dass das Symposium in Passau stattfand, weil die niederbayerische Wirtschaft stark vom Fahrzeugbau geprägt sei. „Der Fahrzeugbau und die Herstellung von Kraftfahrzeugsteilen biet 34 500 Arbeitsplätze und ist der mit Abstand größte Wirtschaftszweig in Niederbayern. Jeder dritte Industriebeschäftigte im IHK-Bezirk arbeitet in diesem Bereich“, sagte Keilbart.

Die Innovation der Antriebssysteme sichere auch die Zukunftsperspektiven dieser Betriebe und ihrer Arbeitnehmer. Damit dies auch künftig der Fall sei, sei eine noch engere Verflechtung von Wirtschaft und Wissenschaft notwendig.