Kinder entdecken die Technik

Beitrag aus Passauer Neuen Presse vom 26.11.2011

 

Fürstenzell. Kinder für etwas zu begeistern, kann mitunter schwierig sein, vor allem, wenn es um technische Belange geht. Nicht so an der Heimvolksschule Fürstenzell. Dort findet zur Zeit das Projekt „Kinder entdecken die Technik“ statt, eine Initiative des Vereins Technik für Kinder e.V., der mit der FH Deggendorf kooperiert. Das Prinzip ist relativ simpel: Der Verein organisiert sechs Nachmittage an Schulen, die idealerweise von Azubis aus technischen Firmen der Region oder Technik-Studenten der FH Deggendorf durchgeführt werden. Die Heimvolksschule Fürstenzell erhält dabei Unterstützung von der Firma Micro-Epsilon Messtechnik GmbH & Co. KG aus Ortenburg.

„Bei Micro-Epsilon sind wir auf sehr offene Ohren gestoßen“, freut sich Schulleiter Franz Kellner über das Engagement der Firma. Durch das Schulamt ist er auf die Initiative aufmerksam geworden. Bei der Suche nach einem Sponsor wurde er dann vom Verein unterstützt. Als Ganztagsschule ist es dem Direktor wichtig, das Freizeitangebot „sinnvoll zu erweitern und die Kinder sinnvoll zu beschäftigen.“ Und so ist er sehr erfreut, neben Ballett, Klettern und Bogenschießen nun „die technische Seite mit ins Boot zu holen“.

So bastelten am Donnerstagnachmittag 20 Kinder der 5. Klassen eifrig an einer LED-Taschenlampe. „Der Kurs musste ausgelost werden, so viele Kinder meldeten sich für das Projekt an“, erzählt der Schulleiter. Auch deshalb habe er für das Frühjahr schon den nächsten Kurs, auch in Kooperation mit Micro-Epsilon, geplant.

Die Begeisterung der Kinder ist beim Betreten des Werkraums der Heimvolksschule regelrecht zu spüren. Jedes Kind hat einen Baukasten für eine LED-Taschenlampe vor sich liegen und bastelt eifrig daran. Die Bausätze für LED-Taschenlampen, Kojak-Sirenen oder Wechselblinker sowie die neun notwendigen Werkzeugkästen im Gesamtwert von 2800 Euro wurden von Micro-Epsilon gesponsert. Jedes Kind musste noch 10 Euro zuzahlen.

An den sechs Nachmittagen werden die Kinder Schritt für Schritt an Stromkreise & Co. herangeführt.Valentin Eberle, Azubi im vierten Lehrjahr bei Micro-Epsilon, erklärt den Kindern, worauf sie beim Arbeiten achten müssen: „Wenn ihr lötet, dann darf die grüne Lampe nicht leuchten, der Schalter muss immer auf Aus sein.“ Und so fügen die Kinder eifrig die Drähte zusammen. „Am Anfang hab ich mit dem Lötkolben noch Schwierigkeiten gehabt“, erzählt Julian Peschl, elf Jahre. Trotzdem ist er von der Technik begeistert: „Es ist interessant, wie man mit dem Lötkolben umgeht, und wie man das Werkzeug benutzt“, meint er weiter. Dabei helfen sich die Schüler gegenseitig und bei Fragen stehen ihnen die Micro-Epsilon Azubis Franziska Kiendlbacher, Stefan Müller und Valentin Eberle zur Verfügung. Mit großem Engagement gehen sie von Schüler zu Schüler und helfen den Kindern, wenn etwas nicht gleich beim ersten Mal funktioniert.

Franziska Kiendlbacher begeistert die Kinder gerne für Technik: „Das ist mal was anderes, bei mir hat’s so was in der Schule nicht gegeben, das hab ich vermisst.“ Für die meisten Kinder sei es ein ganz neues Gebiet. Doch es interessiere sie, viele Fragen werden gestellt.

Raimund Kapsreiter, Ausbildungsleiter gewerblich technische Berufe bei Micro-Epsilon, ist über das Engagement seiner Firma froh: „Durch dieses Projekt kann man die Kinder frühzeitig an Technik heranführen“, erklärt er. So hätten wissenschaftliche Untersuchungen laut Technik für Kinder e.V. gezeigt, dass die Entscheidung für einen Technik-Beruf zu 80 Prozent in der Kindheit begründet sei. Nebenbei hätten die Schüler gleich einen ersten Kontakt zum Unternehmen und könnten sich später zum Beispiel um ein Praktikum oder eine Ausbildungsstelle bewerben.

Und so freut es auch den betreuenden Lehrer Markus Vollmuth, dass Mädchen und Buben gleichermaßen vertreten sind: „Wenn man etwas erklärt, sind die Mädels ganz begeistert“, erzählt er. „Manche Schüler bleiben sogar extra am Nachmittag in der Schule und gehen nicht nach Hause“, berichtet er weiter.

Am Ende des Tages freuen sich die Schüler dann, wenn sie ihre selbst gebastelten LED-Taschenlampen mit nach Hause nehmen dürfen. Nadja Engels (10) ist wie viele ihrer Mitschüler begeistert vom Projekt: „Das ist ganz toll, weil die das super erklären. Technik ist interessant, egal, ob für Jungs oder Mädchen.“